Die Folgen des Uranabbaus

Atomkraftwerksbetreiber stellen sich gerne als Produzenten “sauberer” Energie hin, da Atomkraft relativ wenig Kohlendioxid erzeugt. Das wars dann aber schon mit der “Sauberkeit”, denn bereits die Gewinnung des AKW-Brennstoffs Uran führt zu schwerwiegenden Umwelt- und Gesundheitsschäden.

Uranbergbau
Der Uranabbau durch Tage- und Untertagebau verursacht riesige Abraumhalden und überdimensionale Schlammbecken (Tailings) mit radioaktivem Inhalt. Darin ist noch ca 80 Prozent der ursprünglichen Radioaktivität des Gesteins enthalten. Der radioaktive Staub wird durch den Wind kilometerweit verbreitet, Leckagen der Tailings verseuchen Grundwasser und Flüsse.

Der Abbau von 1 kg Natururan erzeugt eine Tonne Abraum, der mit Radionukliden und Schwermetallen verseucht ist (bei einem Urangehalt von 0,1 Prozent). Langfristig wird die Abraummenge jedoch noch viel mehr ansteigen, da die Vorkommen mit hohem Gehalt an Uranerz bald ausgeschöpft sind. Um die Dimensionen zu veranschaulichen: Man benötigt 2000 kg Natururan, um in einem ersten Verarbeitungsschritt 1 kg yellowcake (den Ausgangsstoff für die Brennelementeherstellung) zu erhalten.
Allerdings muss zur Herstellung von Yellowcake das Natururan chemisch behandelt werden. Dabei entstehen dann die Tailings, die mit Radionukliden und Schwermetallen versetzt sind.
Sehr problematisch ist außerdem der hohe Wasserverbrauch zur Herstellung von Yellowcake: Vor allem in trockenen Gegenden wie in Niger konkurriert der Bergbau mit der Bevölkerung um das lebenswichtige Wasser.

In-Situ-Leaching-Verfahren (ISL)
Eine Variante der Urangewinnung - vor allem in porösem Gestein wie Sandstein - ist das In-Situ-Leaching, auch In-Situ-Recovery (ISR) genannt - wörtlich "Vor-Ort-Auswaschung" bzw. Lösungsbergbau. Dieses Verfahren nimmt erheblich an Bedeutung zu, weil es billiger und weniger aufwändig ist als der Bergbau und keine Abraumhalden anfallen. Die Ausbeutung von Uranvorkommen niedrigerer Konzentration wird dadurch profitabler. In-Situ-Leach wird auch als umweltfreundlicher angepriesen, was es aber nicht ist.

Um an das Uran heranzukommen bohrt man mehrere Löcher zur Lagerstätte und löst es mit Hilfe von meist verdünnter Schwefelsäure heraus und befördert es nach oben. Dabei fallen, genau wie beim Tage- und Untertagebau, problematische Schwermetalle und radioaktive Abfallprodukte an. Große Gefahr besteht für das Grundwasser, da die Mischung aus Säure, Schwermetallen und Radionukliden durch das poröse Gestein sickern kann.
Laut NEA stieg die Verwendung dieses Verfahrens innerhalb von vier Jahren von 34 auf 47 Prozent (2013).

Ein anschauliches Beispiel der umweltzerstörerischen Hinterlassenschaften der In-Situ-Laugung und generell des Uranabbaus ist die Uranmine Königstein der Wismut GmbH, die seit 1990 aufwendigst saniert wird. Die bereitgestellten Kosten von 7,1 Mrd. Euro zahlen die SteuerzahlerInnen.
Billig ist das In-Situ-Leaching-Verfahren daher nur für die Minengesellschaften: Nach bisherigen Erfahrungen mit dem Uranbergbau ist es unvorstellbar, dass Areva und andere Minengesellschaften ihrerseits für eine umfassende Sanierung der ausgebeuteten Minen sorgen werden.


Der Dokumentarfilmer Joachim Tschirner hat mit Yellowcake einen sehr gut recherchierten Film zur Uranerzgewinnung gedreht, der sich zunächst mit den ehemaligen ostdeutschen Uranminen der Wismut beschäftigt. Anschließend führt sein Weg zu den größten Uranminen der Welt nach Namibia, Australien und Kanada.
Der Film leistet einen wertvollen Beitrag dazu, die jahrzehntelange Vertuschung des dunkelsten Aspektes der Atomwirtschaft aufzubrechen.


Woher stammt das Uran für die deutschen Atomkraftwerke?

Angeblich ist den AKW-Betreibern hierzulande selber nicht bekannt, wo der Brennstoff für ihre Reaktoren herkommt - das ist wenig glaubwürdig. Die Ärzteorganisation IPPNW hat hierzu aufwändige Recherchen betrieben und 2010 einen detaillierten Bericht zusammengestellt. Ergebnis: Es ist nicht möglich, die Herkunftsländer für Natururan, das für deutsche AKWs bestimmt ist, genau zu benennen. Man kann nur – durch statistisches Material untermauerte – Mutmaßungen anstellen. Denn auch die Bundesregierung hüllt sich überwiegend in Schweigen. IPPNW kommt jedoch durch Auslegung des dürftigen Datenmaterials zu folgender Schlussfolgerung:
"Die Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen in den Abbauländern „und die langjährige Analyse der Uranlieferländer für deutsche Kernkraftwerke lassen vermuten, dass Deutschland auch zukünftig nicht in der Lage sein wird, seinen Uranbedarf aus politisch stabilen Staaten zu decken. Wer also innerhalb Europas Atomkraftwerke betreibt, ist verantwortlich für Umweltzerstörungen und Gesundheitsschäden durch den Uranabbau in den Abbauländern."

„Kontraste“ zeigte 2010 einen Beitrag über Uran für deutsche AKW . Auch dem ARD-Magazin wurde die Auskunft verweigert. Es hat jedoch Belege dafür, dass Deutschland früher Anteile an der AREVA-Mine im Niger hatte und die Bundesregierung den Uranabbau dort gefördert hat.
Auch in ihrer Antwort auf eine Bundestags-Anfrage der Partei Die Linke von 2015 zog sich die Bundesregierung auf ihr "Nichtwissen" zurück.

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AREVAs Aktivitäten im Uranbergbau

Der französische Staatskonzern AREVA mit deutschem Hauptsitz in Erlangen, ist in vielen Ländern aktiv, um Uranlagerstätten zu erschließen oder auszubeuten. Zu den Hauptförderländern gehören Niger, Kasachstan und Kanada. Mit einer Jahresproduktion von 9000 Tonnen Uran ist Areva einer der größten Uranproduzenten weltweit.
Die Aktivitäten Arevas bedeuten für die Menschen der betroffenen Regionen jedoch eine massive Gefährdung ihrer Lebensgrundlagen. Von den Boden-"Schätzen" ihres Landes profitieren meist nur die Konzerne und Einzelpersonen - die Anwohner gehen leer aus und zahlen mit dem Verlust ihrer Heimat und einem Leben in radioaktiver Verschmutzung.

Der schweizer Public Eye Global Award für unverantwortliches Konzernverhalten ging 2008 an AREVA. Begründet wurde die "Auszeichnung" damit, dass krebskranken Arbeitern im Areva-eigenen Krankenhaus im Niger erzählt wurde, sie wären an AIDS erkrankt, um so die wahre Ursache ihrer Krankheit, die Verstrahlung, zu vertuschen.

Die “Initiative Strahlendes Klima" hat bereits zwei Filme über die verheerenden Auswirkungen des Uranabbaus gedreht:
  • Im Jahr 2009 den Film Uranium – is it a country?, der über den Uranabbau in der Wüste Australiens berichtet und den Weg vom Natururan bis hin zum fertigen Brennstoff beschreibt.
  • "Auf Augenhöhe", ein 11-minütiger Kurzfilm: Indigene AktivistInnen aus Niger, Namibia und den USA erzählen über ihr Leben mit den tödlichen Hinterlassenschaften des Uranabbaus.

Auswirkungen des Uranabbaus durch Areva in Niger

Seit 1971 baut AREVA (bzw. dessen Vorläuferunternehmen) in der ehemaligen französischen Kolonie Niger in zwei Lagerstätten Uran ab, das dort aus Sandstein herausgelöst wird: In der Mine SOMAIR (nahe Arlit gelegen) im Tagebau und in COMINAK (bei Akouta) untertage. Sobald die Uranpreise wieder steigen, soll die neue Mine Imouraren in Betrieb gehen. Die jährliche Produktion der bisherigen nigrischen Uran-Minen in Arlit und Akokan lag 2013 bei insgesamt 4000 Tonnen, was über 40 Prozent von Arevas Gesamproduktion entspricht.
Obwohl der nigrische Staat auch an weitere ausländische Unternehmen viele Erkundungs-Konzessionen ausgab, bleibt AREVA in Niger dominierend.

Umweltverbrechen und menschenverachtende Arbeitsbedingungen
Radioaktivitätsmessungen der französischen Umweltorganisation CRIIRAD, Messungen von Greenpeace und Recherchen von Filmemachern ergaben Beweise dafür, dass AREVA seine Arbeiter menschenverachtenden Arbeitsbedingungen ausgesetzt hat und gravierende Umweltverbrechen in Niger begeht:
- Durch den ganz "normalen" Uranbergbau mit seinen riesigen Abraumhalden, die Luft und Wasser radioaktiv verseuchen.
- Durch radioaktiven Schrott, der immer wieder in der Region Arlit in öffentlichem Raum auftaucht. Obwohl das Areva seit Jahren bekannt ist, wurden 2012 von AGHIRIN'MAN 1600 Tonnen radioaktiv verstrahlter Schrott, der aus Arevas Uranbergwerken stammt, außerhalb des Geländes gefunden. Von einem Teil wird vermutet, dass er bereits ins Ausland verkauft wurde.
Die Tuareg, in deren Stammesgebiet die Minen liegen, rebellieren seit Jahren gegen den nigrischen Staat, weil sie an Arevas Gewinnen teilhaben und vor den verheerenden Folgen des Uranabbaus geschützt werden wollen.

Die nigrische Umweltorganisation AGHIRIN'MAN kämpft seit 2002 gegen die Ausplünderung und Zerstörung ihrer Heimat durch internationale Konzerne.
Der Tuareg und AGHIRIN'MAN-Präsident Almoustapha Alhacen berichtet immer wieder in Europa vom ungenügendem Schutz der Minenarbeiter und von merkwürdigen Krankheiten der Anwohner und Arbeiter, die im von Areva betriebenen Krankenhaus fälschlicherweise als Aids bezeichnet wurden.

Ende 2009 stellte Greenpeace bei Messungen in Akokan stark erhöhte Strahlung in den Straßen der Stadt fest, da auch Bauschutt aus den Areva-Minen dafür verwendet wurde. Diese Messungen wurden später von AREVA bestätigt. Greenpeace International hat dazu 2010 den Report "Left in the Dust" erstellt, den man hier auf englisch herunterladen kann - Kurzversion auf deutsch und ein Kurzfilm von Greenpeace auf englisch und französisch.

Offenlegung der Minen-Verträge und Beteiligung der Bevölkerung an Uran-Einnahmen:
Niger gehört zu den 10 ärmsten Ländern der Welt, gehört aber zu den weltweit größten Uranlieferanten - vor allem an Areva. Doch die Einnahmen aus dem Uran-Bergbau machen lediglich fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts Nigers aus!
Die Initiative Publish what you pay fordert transparente Verträge für den Rohstoffabbau, damit klar wird, wieviel bzw. wenig internationale Konzerne zahlen. Außerdem sollen die Einnahmen für öffentliche Aufgaben statt zur Bereicherung Einzelner verwendet werden. In Niger engagiert sich diese Initiative unter dem Namen ROTAB; sie begleitete 2013/14 auch die Verhandlungen der nigrischen Regierung mit AREVA für faire Verträge mit einer internationalen Online-Petition und Demonstrationen. Proteste anlässlich von Hollandes Niger-Besuch wurden jedoch verboten und die Aktivisten, unter Ihnen auch Rotab-Sprecher Ali Idrissa, unter Hausarrest gestellt. Mitte 2014 gab AREVA nach anfänglicher Weigerung und langwierigen Verhandlungen nach und zahlt jetzt statt 5,5 bis zu 12 Prozent Steuern. Ob das ein wirklicher Sieg ist und auch der armen Bevölkerung zugute kommt, muss sich noch erweisen; Kritik gibt es an der Intransparenz des Vertrags.


Weitere Informationsquellen und Artikel zum Uranabbau im Niger:
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Schwere Erkrankungen und Todesfälle bei Arevas Minenarbeitern in Niger und Gabun - Gesundheitsüberwachung nur Beruhigungspille?


Auf jahrelangen Druck von lokalen und französischen Menschenrechtsgruppen richtete Areva 2009 ein Gesundheitsprojekt für die medizinische Überwachung ehemaliger Minenarbeiter und für den Schutz der Bevölkerung in Gabun (OSM) und Niger (OSRA) ein. Dafür wurde eine Vereinbarung zwischen der französischen Menschenrechtssorganisation SHERPA, Médecins du Monde und Areva geschlossen. Es soll herausgefunden werden, ob es einen Zusammenhang zwischen Erkrankungen der ehemaligen Minenarbeiter und ihrer Arbeit in den Uranminen gibt, was dann auch zu Entschädigungen führen müsste.
SHERPA kündigte jedoch Ende 2012 die Vereinbarung in Absprache mit Initiativen vor Ort auf, da sich mit dem Management-Wechsel von Lauvergeon zu Luc Oursel auch die Unternehmenskultur geändert hatte und das Vertrauen in Areva verloren ging. SHERPA kritisierte unter anderem die fehlenden Entschädigungen für afrikanische Arbeiter, die unzureichende Dekontamination der ehemaligen Uranmine Mounana und die mangelhafte Aufklärung der dort lebenden Menschen, die nach wie vor den Risiken der Strahlenbelastung ausgesetzt sind. Nur die Familien zweier französischer Ex-Mitarbeiter sollen eine Entschädigung erhalten haben.
Mehrere zivilgesellschaftlichen Organisationen in Arlit vom Bündnis SOSC beklagten 2013 in einer Erklärung eine schlechte Behandlung von NGOs durch Areva und warfen dem Unternehmen vor, die Bevölkerung von Arlit mit den Krankheitsrisiken durch den Uranabbau im Stich zu lassen.

Häufung von Todesfällen unter Minenarbeitern
Das Bündnis SOSC berichtete 2013 von zwölf Todesfällen innerhalb eines Jahres(!) unter den aktiven Minenarbeitern der COMINAK-Mine in Arlit. Im gleichen Zeitraum starben außerdem einige ehemalige Arbeiter. SOSC fordert die Herausgabe der Krankenakten, Aufklärung der Bevölkerung und Umweltüberwachung. Die Pressemitteilung vom 3.2.13 in deutscher Übersetzung und hier im französischen Original.

Areva führte die Gesundheitsprojekte OSM und OSRA trotzdem weiter. Bis einschließlich 2014 wurden nach Areva-Angaben insgesamt 1600 Ex-Arbeiter von gabunischen und nigrischen Minen medizinisch untersucht, wobei "keine Berufskrankheit im Zusammenhang mit der Exposition von ionisierender Strahlung festgestellt" worden sei.

Ex-Minenarbeitern in Gabun beklagen 325 Tote
Der bisherige Leiter des Gesundheitsprojekts in Gabun (OSM), Dr. David Benoni, erklärte Ende 2015, dass das Gesundheitszentrum seit seiner Gründung nur mit großen Schwierigkeiten funktioniert habe und äußerte Zweifel an der Aufrichtigkeit. Er sagte dem gabunischen Präsidenten Daniel Ona Ondo zu, sich bei den höchsten gabunischen und französischen Stellen dafür einzusetzen, legitime Schadenersatzforderungen der 800 untersuchten gabunischen Minenarbeiter, die auf die hochradioaktive Belastung an ihrem Arbeitsplatz zurückzuführen sind, durchzusetzen. Seiner Ansicht nach sind nicht alle Erkrankungen auf ionisierende Strahlung zurückzuführen.
Als Reaktion auf Benonis Aussagen, traf sich Anfang 2016 auch die Vereinigung ehemaliger gabunischer Minenarbeiter "Matrac" mit Daniel Ona Ondo. Sie fordern von Areva Entschädigungen für die gesundheitlichen Schäden durch ihre Arbeit in den Uranminen in der Region Mounana. Die Ex-Minenarbeiter gaben an, dass 325 Bergleute mittlerweile an Lungenkrankheiten gestorben wären und noch lebende Arbeiter Krankheiten hätten, die auf die Minenarbeit zurückzuführen seien. Sie werfen Areva vor, das Gesundheitsprojekt nur als Deckmantel zu benutzen, ohne ernsthaft auf ihre berechtigten Forderungen einzugehen, ihre Krankheiten als Berufskrankheiten anzuerkennen und sie zu entschädigen.

Es ist absolut unplausibel, dass von 1600 Minenarbeitern nicht ein einziger durch ionisierende Strahlung erkrankt sein soll! Das zeigt, dass AREVA nach wie vor nicht bereit ist, die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass sie ihre Arbeiter ab den 60er Jahren über Jahrzehnte ohne Schutzvorrichtungen und Aufklärung über Gefahren in ihren Uranminen hat arbeiten lassen. Das ist zynisch und menschenverachtend. Es scheint nicht die geringste Bereitschaft zu bestehen, das Leiden ihrer ehemaligen Arbeiter ernst zu nehmen und wenigstens finanziell zu entschädigen.

Der Kurzfilm Working near uranium von 2014 lässt erkrankte ehemalige AREVA-Mitarbeiter zu Wort kommen.

Klage in Frankreich gegen Areva wegen Krebstod eines ehemaligen Mitarbeiters
Mitte 2012 verurteilte ein französisches Gericht AREVA wegen grober Fahrlässigkeit, da das Unternehmen für den Tod eines ehemaligen französischen Mitarbeiters, Serge Venel, verantwortlich sei. Dieser hatte von 1978 bis 1985 in der Cominak-Mine ohne Schutz gearbeitet - ohne Dosimeter und nur mit Shorts und T-Shirt bekleidet. 2009 war er an Lungenkrebs gestorben. Seine Tochter Peggy Venel, die eine Vereinigung von ehemaligen COMINAK-Arbeitern leitet, hatte Areva verklagt. Im Gegensatz zu den krebskranken Nigrern, die auf AREVA-eigene Krankenhäuser angewiesen sind, ist Venels Krankheit durch einen unabhängigen französischen Arzt dokumentiert. Diese Urteil gab vielen weiteren nigrischen und französischen Opfern die Hoffnung, dass ihre Krebserkrankungen als Berufkrankheiten anerkannt werden. Doch ein Berufungsgericht machte diese Hoffnung zunichte, da es Areva Ende 2013 von der Verantwortung freisprach: Das Unternehmen wäare nur Aktionär der Mine mit einer Minderheitsbeteiligung (34 Prozent) und sei nicht der direkte Arbeitgeber Venels gewesen.

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Neue Uranmine in Imouraren
Das bereits in den 60er Jahren entdeckte umfangreiche Uran-Vorkommen in Imouraren (80 km südlich von Arlit) wollte Areva, der 57 Prozent der Mine gehören, ursprünglich schon 2012 ausbeuten. Doch aufgrund niedriger Uranpreise und auch wegen der schwierigen Sicherheitslage, die sich u.a. durch Entführungen von AREVA-Mitarbeitern, einem Selbstmordanschlag in Arlit verschärft hat, wurde das Projekt ausgesetzt. Den Produktionsbeginn verschob Areva mehrmals und vereinbarte schließlich mit der nigrischen Regierung die Mine erst dann auszubeuten, wenn der Abbau rentabel ist.
Für die Verschiebung hat Areva angeblich dem Staat Niger, der mit 33 Prozent an der Mine beteiligt ist, bereits 2013 eine Entschädigungssumme gezahlt. Es wurden Korruptionsvorwürfe laut (s.u.).

Imouraren ist eine der größten Uran-Lagerstätten weltweit und soll - laut Areva - über 35 Jahre lang jährlich 5000 Tonnen Uran liefern können.
Da der Urangehalt pro Tonne Gestein der Imouraren-Mine mit 0,07% relativ gering ist, bedeutet das noch riesigere Abraumhalden als bei den bisherigen nigrischen Minen und entsprechend mehr radioaktiven Staub und Verseuchung des Wassers. Areva geht von 3,8 Milliarden Tonnen Abraum aus. Das Uran befindet sich in bis zu 170 Metern Tiefe und soll im Tagebau ausgebeutet werden. AGHIRIN'MAN befürchtet katastrophale Auswirkungen auf die dort befindlichen Siedlungen und die Weideflächen der Tuareg.

Korruptionsvorwürfe gegen Areva:
Anfang 2013 erhob der französische Atomkraftgegner Stéphane Lhomme von der atomkritischen Organisation "Observatoire du nucléaire" Korruptionsvorwürfe gegen die nigrische Regierung Issoufou und Areva: Die als Ausgleichszahlungen für die verspätete Inbetriebnahme der Immouaren-Mine in Niger bezeichneten Zahlung von 35 Millionen Euro an Niger wären in Wirklichkeit Bestechungsgelder. Ein Teil des Geldes sei für ein neues Flugzeug des nigrischen Präsident Mahamadou Issoufou bestimmt. Als Beleg für seine Behauptung führt Observatoire du nucléaire ein vertrauliches Dokument über das Treffen zwischen Areva und einem nigrischen Regierungsmitglied auf. Areva streitet das ab und prozessierte gegen Lhomme, der 2014 zwar zunächst den Prozess verlor, die Berufungsverhandlung 2015 jedoch gewann.



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Gabun: Die ehemalige Uranlagerstätte Mounana und neue Aktivitäten

Das Areva-Tochterunternehmen COMUF betrieb zwischen 1961 und 1999 in der Region Mounana mehrere Uranminen,aus denen es über 26.000 Tonnen Uran förderte. Für die Sanierungsarbeiten, die COMUF danach durchführte, flossen auch EU-Hilfsgelder in Höhe von 7 Mio Euro. Diese waren eigentlich als Entwicklungshilfe für den Bergbausektor Gabuns gedacht.
Der Umgang mit den Arbeitern war menschenverachtend: Eine Untersuchung von CRIIRAD (franz.) belegt, dass Beschäftigte bis 1991 weder in der Mine, in der sie auch Radon ausgesetzt waren, noch bei der Yellowcake-Herstellung in der Fabrik Schutzkleidung oder Masken trugen. Sie arbeiteten in Shorts und T-Shirts; die Gefahren, denen sie sich dadurch aussetzten, wurden ihnen verschwiegen. Es sind bereits viele ehemalige Minenarbeiter aus Gabun und Frankreich an Lungenkrebs gestorben.

Die Bewohner der Region Mounana müssen mit den radioakiven Hinterlassenschaften der ehemaligen Mine und der dort begangenen Umweltverbrechen leben. In den ersten 15 Jahren ihres Betriebs hatte Minen-Betreiber COMUF die radioaktiven Tailings, die bei der Yellowcake-Herstellung entstanden, einfach in einen Bach geleitet. Die später errichteten Dämme stellen jedoch laut WISE (engl.) nur ungenügende Sicherungsmaßnahmen dar.

Schwere Erkrankungen und Todesfälle bei aktiven und ehemaligen Minenarbeitern von Areva in Niger und Gabun siehe unter Niger

Seit Ende 2006 erkundet Areva wieder an mehreren Orten in Gabun neue Uranvorkommen und verfügt bereits über neue Abbaurechte.



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Areva in der Zentralafrikanischen Republik

Areva übernahm 2007 zu einem überhöhten Preis die kanadischen Gesellschaft UraMin und erwarb darüber auch das Uranvorkommen (36.500 Tonnen laut NEA/IAEA) in Bakouma. Areva versprach viele Arbeitsplätze, Krankenhaus und Kindergarten und führte Probebohrungen und Erschließungsarbeiten durch. Ursprünglich sollte die Ausbeutung der Mine 2010 beginnen, wegen fallender Uranpreise verschob Areva jedoch den Termin und verließ 2012 die Mine ohne jemals Uran gefördert zu haben. Seitdem liegen dort ungesicherte, radioaktive Hinterlassenschaften Arevas. Bewohner der Region Bakouma hatten schon vor dem Weggang Arevas protestiert, weil sie Gesundheitsgefahren durch die aufgelassene Mine befürchten. Ausführliche Infos in der sehenswerten Arte-Reportage zu Arevas Korruptionsskandal um den Kauf von UraMin (Bakouma in Teil 2).

Anfang 2016 veröffentlichte Wikileaks Dokumente staatlicher Stellen der Zentralafrikanischen Republik. Darin heißt es, dass die noch unausgebeutete, verlassene Uranmine in der Bakouma-Region radioaktiv verstrahlt und ungesichert sei und Arbeiter während der Erschließungsarbeiten keinen ausreichenden Schutz vor radioaktiver Strahlung erhalten hätten. Areva dementierte den Wikileaks-Bericht. Arte fasst hier den Inhalt der Wikileaks-Enthüllungen zusammen.

Militärisches Engagement Frankreichs zur Sicherung der Uran-Versorgung

Frankreich ist als Atomstromland und Atommacht sehr vom Uran abhängig. Sein Jahresbedarf liegt bei 11.400 Tonnen, von denen - laut IAEA - 9000 Tonnen aus Minen stammen, was ungefähr der Jahresproduktion des Staatskonzerns Areva entspricht. (Der Rest kommt aus "unbestimmter Quelle"). Da bereits heute ein Drittel (4000 Tonnen) seines gesamten Uranbedarfs aus nigrischen Minen stammt (s.u.), ist Frankreichs Abhängigkeit von Niger sehr groß - die neue Mine von Imouraren verstärkt das Interesse nochmal erheblich.

Das ursprünglich 2012 von Rebellen besetzte Gebiet in Mali (Azawad) grenzt direkt an Niger und gehört - wie auch Teile von Niger - zum Stammesgebiet der Tuareg, die schon lange im Konflikt mit Areva stehen. Es liegt jedoch auf der Hand, dass das militärische Engagement Frankreichs im Nachbarland Mali - neben geostrategischen Interessen - vor allem mit Uran zusammenhängt: Die Gefahr eines Übergreifen des Konflikts auf Niger ist sehr groß und damit steht ein erheblicher Teil des Urans auf dem Spiel, das sich Areva mit Mühe gegen die immer größer werdende internationale Konkurrenz gesichert hat.
Areva ist immer wieder Ziel gewalttätiger Angriffe: Entführungen von Mitarbeitern und ein Selbstmordanschlag auf die Mine in Arlit Mitte 2013. Bereits Anfang 2013 sicherte Frankreich im Zuge des französischen Einmarsches in Mali Uranminen in Niger mit Spezialeinheiten .

In Mali selber gibt es außerdem, neben weiteren Rohstoffen, auch unerschlossene Uranvorkommen und zwar "zufällig" in der umkämpften Region.

Mehr dazu bei Heise online, bei der Frankfurter Rundschau und eine spannende Analyse von Henrik Paulitz (IPPNW): Rohstoffkrieg in Mali. Auch für Jürgen Todenhöfer ist der angebliche Antiterrorkrieg nur ein Vorwand: FR 31.1.13: Die Terror-Zyniker
Das Manager Magazin vom 28.1.13 analysiert die Kriegsgründe: Frankreichs Sorge um Uran aus der Wüste



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AREVA in der Mongolei

Areva Mongol, an der Mitsubishi zu 34 Prozent beteiligt ist, erkundet seit 1997 durch das Tochterunternehmen Cogegobi in der Mongolei Uranvorkommen und hat bis 2015 bereits 150 Millionen Dollar investiert.
Arevas Erkundungsarbeiten in der Ostmongolei durch Cogegobi sind schon weit gediehen. Das Vorkommen will Areva mit Hilfe des In-situ-leaching-Verfahrens ausbeuten. Hierbei presst man ein Lösungsmittel, meist Schwefelsäure, in das Uranerzlager und holt das gelöste Uran in einer anderen Bohrung nach oben. Dieses Verfahren gefährdet die Umwelt und bedroht das Grundwasser.

Massive negativen Auswirkungen scheint es bereits nach den ersten Tests, die Areva 2011 mit dem In-Situ-Leach-Verfahren in der Mine Dulaan Uul (Provinz Dornogovi) machte, zu geben: Die Initiative Munx-Tenger berichtet über massive Probleme mongolischer Nomaden im Bezirk Ulaanbadrakh, deren Weideflächen sich in der Nähe der Bohrungen befinden: Ihre Viehherden erkranken an "rätselhaften" Krankheiten, neugeborene Tiere weisen Fehlbildungen auf, ein große Zahl an Jungtieren stirbt. Die Nomaden sind zunehmend in ihrer Existenz bedroht und sehen die Vergiftung von Luft und Wasser durch die Uranbohrungen als Ursache. Sie versuchen zu verhindern, dass Areva in ihrer Heimat Uran abbaut; sie klagten 2013 Areva in einer Pressekonferenz an.
In einem Referendum Anfang 2015 stimmten die Nomaden gegen den Uranabbau. Trotzdem erhielt Areva zwei Monate später die nötigen Abbaulizenzen für die zwei Uranerzlager Dulaan Uul und Zuuvch Ovoo. Das Unternehmen bezeichnet die Tests von 2011 nach wie vor als "erfolgreich" und treibt sein Vorhaben weiter voran. Als nächstes soll in Zuuvch Ovoo (20 km entfernt von Dulaan Uul) eine Pilot-Anlage zur Erprobung des In-situ-Leaching-Verfahrens in Betrieb gehen. Ist diese erfolgreich, soll der Uranabbau beginnen. Seit vielen Jahren kämpfen Nomaden in der an Bodenschätzen reichen Mongolei für ein Gesetz, das ihre Weideflächen vor den negativen Auswirkungen des Bergbaus schützt und gegen die rücksichtslose Plünderung ihres Landes durch internationale Konzerne.

Areva in Kasachstan

Kasachstan ist seit 2009 der weltgrößte Uranlieferant. Von den bisher 15 kasachischen Uranminen-Zentren werden bis auf eines alle im In-Situ-Leaching-Verfahren (ISL) betrieben, bei dem Schwefelsäre direkt in das Uranerzlager gepumpt wird.
Areva gründete 1996 Katco, ein Joint-Venture mit dem staatlichen kasachischen Unternehmen Kazatomprom zu dem drei Uranminen gehören. Diese sind Arevas und auch Kasachstans ergiebigste Minen mit 4000 Tonnen Uran-Produktion im Jahr 2013.

Hintergrund zu Uranabbau in Kasachstan (ca 2010, daher veraltete Zahlen) - Greenpeace Schweiz



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Uranabbau durch weitere Unternehmen

Uranvorkommen in Mali

Wie im Nachbarland Niger gibt es auch in Mali große Uranvorkommen, die - noch unerschlossen - vor allem im umkämpften Norden des Landes liegen. Die erste Mine, die das kanadische Unternehmen Denison Mines (vorher: Rockgate Capital) ausbeuten will, liegt allerdings im Südwesten Malis, in Falea. Die Menschen dort wehrten sich verzweifelt gegen die Zerstörung und radioaktive Verseuchung ihrer Heimat. 2012 gab es einen internationalen Kongress in Bamako, um den Widerstand vor Ort zu unterstützen.
Eine Reportage zur Situation vor Ort Anfang 2014: Angst zwischen hohen Gräsern
Die vorgesehene Volksbefragung, die die betroffenen Bewohner des Gebiets 2014 durchführen wollten, konnte entfallen, da sich Denison Mines wegen der zu geringen Weltmarktpreisen für Uran vom Falea-Projekt zurückgezogen hat.


Erkundungsbohrungen in Tansania

In Tansania führen australische Unternehmen Bohrungen durch, um Uranminen in der Region Bahi zu erkunden. Um die Bevölkerung über die Gefahren des Uranabbaus zu informieren gab es Ende 2013 eine Konferenz, die zwar von staatlichen Stellen behindert wurde, aber trotzdem mit großer lokaler Beteiligung stattfinden konnte.
Ausführlicher Bericht bei umweltfairaendern und ein Film zum Kongress.

Weitere Infos zum Uranabbau in Tansania:



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