Aktionen des Nürnberger Energiewendebündnisses vor 2010

Castortransport nach Gorleben 2008

EWB-Banner

Vor dem Zwischenlager in Gorleben versammelten sich dieses Jahr 15.000 Menschen - sehr viel mehr Demonstranten als die letzten Jahre. Wie jedes mal ein bunte, kreative Ansammlung von Menschen jeden Alters aus den unterschiedlichsten politischen Bereichen. Es war vielen Atomkraftgegnern offensichtlich ein Bedürfnis, angesichts der unsäglichen Desinformationskampagne der Atomlobby und des völligen Versagens der Verantwortlichen für Atommüll-Endlager in Asse, gegen diese unhaltbaren Zustände zu protestieren.

Diesmal fanden die Aktionen auch um einiges mehr Resonanz in den Medien - wohl auch, weil einige Blockaden den Atommüll-Zug um viele Stunden aufhalten konnten und sich das Thema dadurch nicht so schnell wieder unter den Teppich kehren ließ. Sehr erfreulich ist es auch, dass endlich wieder Hintergründe über die Leitmedien in die Öffentlichkeit kommen - wie z.B. die Tatsache, dass sich Bayern vollkommen aus der Verantwortung für seinen großen Anteil an der Atommüll-Produktion stehlen will. Das bayerische Hauptkriterium für ein “sicheres Endlager” ist, dass Gorleben schön weit weg ist. Ob dieses Kriterium allerdings hilft, den Atommüll 1 Million Jahre sicher zu verwahren, darf angezweifelt werden...


Atommüll-Transport von La Hague nach Gorleben 2006

Dieses Jahr waren Mitglieder des EWB und der Nürnberger Greenpeace-Gruppe im Wendland um den - nunmehr seit 29 (!) Jahren andauernden - hartnäckigen und phantasievollen Widerstand vor Ort zu unterstützen.

Die Clowns kannten keinerlei Respekt vor der Staatsgewalt und sorgten für lustige Situationen auch bei den zahlreichen Blockadeaktionen auf den Schienen. Auch wenn die Übermacht von 10.000 Polizisten enorm war, fanden doch immer wieder findige Menschen Möglichkeiten um den reibungslosen Transport der 12 - mit hochradioaktivem Atommüll gefüllten Castoren - aufzuhalten und zu behindern. Allerdings wurden auch wir des öfteren an der Ausübung unseres Demonstrationsrechts gehindert.

Die nächste Generation von Widerständlern im Wendland steht schon bereit: “Wir sagen auch übermorgen noch NEIN”


Atommüll-Transport von La Hague nach Gorleben 2005

In Bayern wurde - bis 2011- von allen Bundesländern am meisten hochradioaktiver Müll produziert (ca. 120 Tonnen pro Jahr). In der Vergangenheit wurde ein großer Teil davon gemeinsam mit anderem deutschen Atommüll in die französische Wiederaufarbeitungsanlage La Hague transportiert (siehe unsere Proteste weiter unten) und dort bearbeitet. Dieser hochradioaktive Atommüll muss von Deutschland wieder zurückgenommen werden und wird seit 1996 ins Zwischenlager Gorleben transportiert, wo mittlerweile über 100 Behälter lagern.
Entgegen der weit verbreiteten Ansicht ist Gorleben kein Endlager . Es wurden zwar umfangreiche Forschungsarbeiten durchgeführt um zu erkunden, ob der Salzstock für ein Endlager geeignet ist. Der Salzstock in Gorleben ist jedoch für ein Endlager ungeeignet, weil radioaktive Substanzen freigesetzt werden könnten. Da die Atomindustrie jedoch bereits sehr viel Geld in das Erkundungsbergwerk investiert hat, hält sie stur an einem künftigen Endlager Gorleben fest.
Es besteht die berechtigte Befürchtung, dass die Castor-Behälter mit hochradioaktivem Müll, die im Moment noch oberirdisch in einer Betonhalle lagern, nicht nochmals auf Reisen geschickt werden, sondern nach einer Weiterbehandlung in einer Konditionierungsanlage im dortigen Salzstock endgelagert werden.

Darum ist es so wichtig, den bewundernswerten, hartnäckigen, phantasievollen und gewaltfreien Widerstand der Menschen im Wendland zu unterstützen!

Das Energiewendebündnis demonstrierte - wie im vergangenen Jahr - gemeinsam mit Greenpeace Würzburg in der dortigen Innenstadt gegen den neuerlichen Atommüll-Transport nach Gorleben. Wir waren zwar wenig Leute, aber dafür umso lauter.

Als wir anschließend die Durchfahrt des Castors durch den Würzburger Hauptbahnhof (s.u.) mit Bannern begleiten wollten, “durften” wir zwar auf der Brücke bleiben, jedoch wurden alle Teilnehmenden gezwungen, ihre Personalien anzugeben. Hinterher - nachdem auch noch ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz eingeleitet wurde - gaben wir noch ein Presseerklärung heraus zum krassen Missverhältnis der schlechten Sicherung des Castor-Transportes und der Belästigung von AtomkraftgegnerInnen.


Atommüll-Transport von La Hague nach Gorleben 2004

Beim achten Rücktransport von hochradioaktivem Atommüll aus Frankreich wurden 12 Castorbehälter durch Frankreich und Deutschland transportiert. Da der Zug in der Vergangenheit auch über bayerisches Gebiet - meist Würzburg - fuhr, war das Energiewendebündnis gemeinsam mit den Greenpeace-Gruppen Nürnberg und Würzburg vor Ort.

In Würzburg zogen wir am Sonntag, 7.11.04 in einer kleinen - aber durch unsere großen Banner trotzdem Aufsehen erregenden - Demonstration vom Bahnhof durch die Würzburger Innenstadt. Wir wollten damit deutlich machen, dass der Transport auch uns in Bayern etwas angeht. Schließlich wird der größte Teil des deutschen Atommülls in Bayern produziert und nach der Bearbeitung in La Hague nicht wieder hierher zurück sondern ins weit entfernte Gorleben transportiert.

Nachdem wir vom Tod des jungen französischen AKW-Gegners Sébastien Briat erfahren hatten, der in Frankreich bei einer Ankettaktion vom Zug überrollt wurde, hielten wir vor dem Würzburger Hauptbahnhof eine Trauermahnwache, um unserer Trauer und unserem Entsetzen über diesen grauenhaften Unfall Ausdruck zu geben. Nach langen Diskusionen beschlossen wir, unseren Protest fortzusetzen und fuhren nach Stockheim (bei Aschaffenburg). Dort stellten wir uns mit den Bannern an den Bahnhof, während der Zug mit der tödlichen Fracht - begleitet von 2 Hubschraubern - vorbeifuhr.

Erst im Nachhinein erfuhren wir, dass Cecile, eine unserer französischen Mitstreiterinnen, sich gemeinsam mit einem weiteren Aktivisten vor Nancy an die Schienen gekettet hat und so den Castor-Zug für 2 Stunden aufhielt. Eine Gruppe von 12 UnterstützerInnen half ihnen dabei. Diese Aktion fand kurz vor dem tödlichen Unfall statt. Auf dem Foto links wird sie gerade losgeschnitten.


Atommüll-Transporte im Raum Nürnberg

E.ON, der Betreiber des AKW Isar 2 in Ohu, transportierte jahrzehntelang hochradioaktive abgebrannte Brennelemente in die sogenannte Wiederaufarbeitungsanlage La Hague. Unter anderem dieser Müll ist es, der dann jedes Jahr gegen den Protest der Anti-AKW-Bewegung wieder zurück nach Deutschland in Richtung Gorleben rollt. Die Atommüll-Transporte von Isar 2 liefen früher über Regensburg - Nürnberg - Ansbach. Nachdem wir jedoch dagegen protestierten, wich der Atomzug auf das Altmühltal aus (Regensburg, Ingolstadt, Treuchtlingen, Ansbach). Obwohl E.ON laut Atomkonsens erst ab Mitte 2005 seine Transporte h¨tte einstellen müssen, verzichtete die Firma bereits 2004 auf die Atommüllverschiebung. Ob das an unseren penetranten Protesten lag, können wir natürlich nicht beweisen.... Greenpeace Nürnberg und das EWB haben eine ausführliche Gefahrenanalyse zu Unfällen oder Anschlägen erstellt.

Transport vom 10.12.03

Trotz Minus-Temperaturen waren wir auch beim vierten Transport des Jahres vom AKW Isar 2 wieder an der Transportstrecke im Altmühltal. Wir stellten uns mit Bannern an die Bundesstraße südlich von Treuchtlingen. E.ON ließ diesmal 2 Behälter mit hochradioaktiven abgebrannten Brennelementen nach La Hague transportieren. Die Polizei war zunächst von unserer Spontandemo nicht sonderlich begeistert und meinte uns daran hindern zu müssen. Letzlich jedoch ohne Erfolg, wie man sieht...

Auch aus anderen AKW im Norden wurde zeitgleich Atommüll verschoben: Brokdorf, Unterweser, Grohnde und Stade (obwohl dieses ja bereits stillgelegt ist). Insgesamt wurden 8 Behälter transportiert. Der Zug aus dem Norden wurde in Rockenhausen/Pfalz durch zwei Aktivisten, die sich ans Gleis gekettet hatten für über zwei Stunden aufgehalten!
Obwohl E.ON als Betreiber von Isar 2 die Genehmigung zum Transport von 12 Behältern hatte, ließ es “nur” 8 nach La Hague schaffen. Ein Teil des Atommülls von Isar 2 wird demnächst im Atlantik wiederzufinden sein, da die sog. Wiederaufarbeitungsanlage bekanntermaßen pro Jahr 500 Millionen Liter flüssige radioaktive Abfälle in das Meer einleitet.


Atommüll-Verschiebung durchs Altmühltal am 3.9.03

Beim dritten Atommüll-Transport in diesem Jahr wurden zwei Behälter aus dem AKW Isar 2 nach La Hague transportiert. Wieder protestierte Greenpeace Nürnberg gegen diese klammheimliche Atommüll-Verschieberei des AKW-Betreibers E.ON und gegen die verheerenden Auswirkungen für die Gegend um die französische Wiederaufarbeitungsanlage La Hague. Dieses mal hatten wir uns eine Eisenbahnbrücke bei Dollnstein, die über die Altmühl führt, für unseren Protest auserkoren: Mehrere AktivistInnen paddelten mit zwei Kanus zur Brücke. Mit Hilfe einer mitgebrachten Leiter erklommen sie den mitten im Wasser liegenden Brückenpfeiler und befestigten dort ein riesiges Banner mit der Aufschrift: “E.ON muss die Wiederaufbereitung stoppen. Atommüll gehört nicht ins Meer.” Zu diesem Zeitpunkt waren zwar einige PressevertreterInnen, jedoch kein BGS oder Polizei vor Ort. Sie musste erst von Greenpeace informiert werden. Nach einiger Zeit kam ein Polizeihubschrauber im Tiefflug, filmte die AKtivistInnen auf dem Brückenpfeiler und verschwand. Weitere 10 Minuten später tauchte dann eine Streife auf, die Personalien feststellte, jedoch keine Maßnahmen ergriff, um aus Sicherheitsgründen die Strecke zu sperren. So rauschte dann der Zug mit dem hochradioaktiven Dreck von E.ON mit 100 Sachen über die Brücke und somit über die Köpfe der AktivistInnen hinweg. Auch in anderen bayerischen Städten gab es Proteste von Castor-GegnerInnen: In Regensburg dokumentierte die dortige Greenpeace-Gruppe an einem Castor-Info-Point, wo sich gerade der Zug befand, der bei seiner Fahrt durch Bayern von AtomkraftgegnerInnen beobachtet wird. Auch in Würzburg fanden Proteste statt. Gemeinsam mit dem Atommüll aus dem AKW Brunsbüttel, das 3 Behälter transportieren ließ, erreichte der Zug am nächsten Tag La Hague.


1.7.03 Atommüll-Transport mit 3 Behältern durch das Altmühltal

Erstmals wurden gleich drei Behülter mit abgebrannten Brennelementen zur völlig überflüssigen “Wiederaufarbeitung” von Isar 2 nach La Hague transportiert. Scheinbar nerven E.ON die ständigen Proteste gegen die Transporte, sodass sie lieber gleich mehr auf einmal verschieben. Seit 1992 war das der 22. Transport. Die Route verlief diesmal über Regensburg, Ingolstadt, Eichstätt, Treuchtlingen, Ansbach, Crailsheim (und nicht Würzburg). Entgegen unserer Erwartung fuhr der Atommüll-Zug schon einen Tag früher als sonst üblich und machte Zwischenstation in Walheim. Trotzdem ließen wir uns nicht austrixen und unterstützten Greenpeace Nürnberg bei einer Aktion am Pappenheimer Bahnhof. Mit Zustimmung der Besitzerin des Bahnhofs (der sich jetzt in Privatbesitz befindet und als Atelier genutzt wird,) stiegen wir aufs Dach und protestierten dort mit dem Banner: “Leukämie hat einen Namen: E.ON” Bereits ein paar Tage vorher hatten wir ein Protestplakat am Bahnhof aufgehängt, wogegen die Bahn natürlich machtlos war und was der Besitzerin einen Polizeibesuch bescherte. Die Polizeipräsenz am Transporttag war enorm (bis zu 16 Fahrzeuge und 3 Hunde)- soviel der Ehre war nun doch etwas zuviel für uns sieben AKtivistInnen - auch wenn wir in Ruhe gelassen wurden.
Bei einer Demonstration durch Pappenheim bekamen wir immerhin ca. 15 Personen aus Nürnberg und Pappenheim auf die Beine. Der Atommüll-Zug mit den drei hochradioaktiven Behältern wurde in Walheim mit einem weiteren Zug aus Neckarwestheim zusammengekoppelt und später noch mit Transporten aus dem Norden, sodass diesmal 14 Castoren* nach La Hague bzw. Sellafield transportiert wurden. Allerdings nicht ungestört, wie die Medien suggerieren möchten - es fanden neben unserer noch weitere Aktionen an der Strecke statt. Die größte war eine Mahnwache in Metz mit ca. 80 deutschen und französischen AtomkraftgegnerInnen, bei der der Zug kurz gestoppt wurde.

* Die Bezeichnung CASTOR ist eigentlich ein Markenname für einen ganz bestimmten Typ von Atommüll-Behälter, hat sich jedoch im Sprachgebrauch für sämtliche Arten von Atommüll-Behältern eingebürgert. Richtig müsste es im Fall Ohu TN 13/2 heißen, worunter sich natürlich keiner was vorstellen kann.


Castor*-Transport durchs Altmühltal 14.5.03

Wie bereits beim letzten Atommülltransport vom AKW Isar 2 (Ohu) nach La Hague wurde der Transport durch das Altmühltal geführt. Er verlief von Landshut über Regensburg, Ingolstadt und dann weiter nach Eichstätt, Treuchtlingen, Ansbach und über Würzburg an den Grenzübergang Forbach. Noch vor der Grenze wurde er mit dem Transport aus dem Norden Deutschlands zusammengekoppelt. Es wurde nur ein Behälter transportiert, d.h. in diesem Jahr werden noch einige Transporte folgen! Das Energiewendebündnis unterstützte wieder Greenpeace Nürnberg beim Protest gegen den Transport. Wir wollten - wie bei Hase und Igel - auch im Altmühltal präsent sein, wenn die hochradioaktive Fracht wieder völlig unnötigerweise durch halb Deutschland gekarrt wird. Zwar haben wir den Castor aus Nürnberg vertrieben. Es ist jedoch keinesfalls in unserem Interesse, dass er nun andere Menschen und Gegenden bedroht. So machten wir uns auf ins idyllische Altmühltal, wo wir gemeinsam mit Greenpeace an zwei Stellen an der Strecke präsent waren: In Solnhofen und an einem Tunnel (siehe Bild) in der Nähe. Zwar war neben dem natürlichen Grün auch uniformiertes Grün reichlich vorhanden, jedoch wurden wir in keiner Weise bei unserer wichtigen Arbeit behindert. Kurz vor Ansbach blockierte eine Gruppe von 16 AKW-GegnerInnen die Gleise und brachte damit den Castor für 20 Minuten zum Stehen. Allerdings kam der Zug erst hinter der Blockadestelle zum Stehen, sodass die Gruppe von den Gleisen herunterspringen musste, um ihr Leben zu retten. Auch im Norden wurden der Transport aus den AkWs Brokdorf und Brunsbüttel zwei mal durch AKW-GegnerInnen gestoppt.



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