Der Atomkonzern AREVA

Areva ist der weltweit größte Atomkonzern und gehört mehrheitlich dem französischen Staat. Das Unternehmen deckt den gesamten Brennstof-Zyklus ab: Vom Uranabbau, über die Fertigung von Brennelementen und den Bau neuer Atomkraftwerke bis hin zur sogenannten Wiederaufbereitung. Da der Konzern seit Jahren Verluste einfährt und hochverschuldet ist, muss er 2016 den größten Teil der Reaktorsparte Areva NP an die EDF (Mehrheitseigener auch französischer Staat) und weitere Interessenten abgeben.
In Erlangen sitzt die Deutschlandzentrale von Areva NP – einem ursprünglich von Areva und Siemens gegründeten Gemeinschaftsunternehmen mit 3500 Mitarbeitern. Das Unternehmen baut seit 2005 den europäischen Druckwasserreaktor EPR im finnischen Olkiluoto, dessen Errichtung allerdings große finanzielle und technische Probleme bereitet. Der Betriebsbeginn war ursprünglich für 2009 geplant und wurde immer wieder verschoben - zuletzt auf das Jahr 2018. Siemens ist wegen des EPR-Desasters bereits 2011 aus dem Gemeinschaftsunternehmen ausgestiegen. Auch das EPR-Projekt im französischen Flamanville verzögert sich durch grundlegende Probleme immer weiter; 2015 kamen massive Mängel am Reaktordruckbehälter hinzu (siehe auch taz-Artikel 21.4.15).
Eine Arte-Reportage von 2015, die sich mit Arevas Korruptionsskandal UraMin beschäftigt, hat auch viele Informationen zum wirtschaftlich schwer angeschlagenen Konzern Areva aufbereitet.

AREVA und der Neubau des AKW Jaitapur im Erdbebengebiet in Indien

Der indische Ingenieur und Regisseur Pradeep Indulkar, der früher in der Atomforschung arbeitete, berichtete Ende 2013 in Nürnberg über das neue AKW in Jaitapur, gegen das die örtliche Bevölkerung erbittert ankämpft. Von dem Projekt sind mehrere tausend Bauern betroffen, die vom Ertrag ihres Landes abhängig sind und es nicht freiwillig abtreten wollen. Banner Stopp Jaitapur
Nach einem 2009 geschlossenen Vertrag plante AREVA dort zunächst zwei, langfristig jedoch bis zu sechs EPR-Reaktoren zu errichten. Damit würde das in einem Erdbebengebiet gelegene Jaitapur der weltgrößte AKW-Standort - in einem Land, das Atomwaffen besitzt jedoch den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet hat!
AREVA beantragte 2011 eine Hermes-Bürgschaft für Jaitapur, da auch deutsche AREVA-Niederlassungen an dem Projekt arbeiten. Pradeep Indulkar geht davon aus, dass 1000 deutsche Areva-Mitarbeiter (unter anderem in Erlangen) am EPR-Bau im finnischen Olkiluoto beteiligt sind und fürchtet, dass diese nach Fertigstellung des dortigen AKW dann in Jaitapur eingesetzt werden.


Wie gehts weiter mit Jaitapur? Der angeschlagene Areva-Konzern gab Anfang 2015 das Geschäft mit AKW-Neubauten an den staatseigenen, französischen Stromerzeuger EDF ab. So führt EDF jetzt auch das Projekt Jaitapur weiter und will dort sechs EPR-Reaktoren bauen. Dies geht aus der Anfang 2016 getroffenen Absichtserklärung zwischen EDF und dem indischen Atomenergiebetreiber NPCIL hervor.

Ein großes Hindernis für die Verhandlungen zwischen EDF und indischer Regierung war das "Civil Liability for Nuclear Damage Act" von 2010, ein Gesetz, das bei einem Atomunglück auch den Lieferanten des AKW in Haftung nimmt. Indien ratifizierte jedoch im Mai 2016 die weniger scharfe internationale Atomhaftungskonvention CSC. So steht dem von Indien geplanten massiven Ausbau der Kernenergie nur der Widerstand der Bevölkerung im Weg.
Die world nuclear association rechnet allerdings erst 2018 mit einem Baubeginn der ersten zwei Reaktoren in Jaitapur. Die Verhandlungen mit EDF laufen noch - neben Haftungsfragen (auch zur garantierten Uranversorgung) geht es vor allem um das Minimieren der hohen Baukosten durch die Übernahme größerer Teile der Baumaßnahmen durch indische Unternehmen.

- Aktuelle Infos bei Anti-Atom Indien.
- Zur Erdbebengefahr: CURRENT SCIENCE, VOL. 101, NO. 10, 25 NOVEMBER 2011

AREVAs Umweltverbrechen durch Uranabbau und Atommüll

Negative Schlagzeilen machte Areva vor allem durch Umweltverbrechen in Niger, wo der Konzern Uran abbauen lässt, die Wiederaufbereitungsanlage in La Hague und die Verschiebung von Atommüll nach Sibirien:

Rückblick: Protestaktionen gegen Areva als Club-Hauptsponsor 2011

Am 30.3.11 protestierten Greenpeace Nürnberg, Energiewendebündnis und Mütter gegen Atomkraft vor der Geschäftsstelle des 1. FC Nürnberg gegen den Club-Hauptsponsor Areva. Wir forderten, dass der Club seinen seit 2007 bestehenden Vertrag mit dem Atomkonzern beendet und nicht länger seinen guten Namen dafür hergibt, Werbung für diese hochgefährliche Technik zu betreiben. Mehr dazu in unserer Pressemitteilung
Unser Bündnis schrieb am 4. April 2011 einen offenen Brief an die beiden Club-Vorstände Bader und Woy, in dem wir den Vorstand dazu auffordern, den Sponsoren-Vertrag mit Areva zu beenden.

Die Nürnberger Zeitung zur Veranstaltung Der Club und Areva - Sponsoring um jeden Preis?, auf der ausführlich über die verheerenden Schäden durch den Uranabbau berichtet wurde: “Der Club kneift - der Fan schaut weg”

Gemeinsam mit weiteren Akteuren haben wir unser Ziel erreicht: Seit Mitte 2012 ist Areva nicht mehr Haupt- und Trikotsponsor des 1.FC Nürnberg!
Allerdings blieb Areva danach für eine weitere Saison Club-Partner und richtete noch das Jugendfußballturnier der FCN-Jugend, den AREVA U14-Cup 2013 aus.

Greenwashing / Verlogene Werbung

In ihrer Werbung stellt sich Areva gerne als Klimaschützer und daher “sauber” dar. Das ist eine sehr zynische Aussage, wenn man sich die radioaktive Verschmutzung von Menschen und Umwelt in den Uranabbaugebieten anschaut.
Areva erweckt in ihrer Werbung den Anschein, sehr stark in die Erneuerbaren Energien zu investieren.
Der Slogan “Areva ist Solarenergie” auf der Bandenwerbung im Frankenstadion, als Areva noch Club-Hauptsponsor war, erwies sich dabei als der absolute Spitzenreiter der Verlogenheit: Denn Arevas Erneuerbaren-Bereich war 2011 verschwindend gering - der Solar-Anteil vom Gesamtumsatz betrug ganz 0,2 Prozent! 2014 lag der Anteil der Erneuerbaren immer noch bei nur einem Prozent des Umsatzes.
Auf der Bandenwerbung behauptete Areva auch, Atomstrom wäre CO2-frei. Auch das stimmt nicht, denn schon allein der Uranabbau erzeugt natürlich Treibhausgase. Deren Höhe schwankt je nach Abbaugebiet und nimmt langfristig zu, da die leicht zu erreichenden Vorkommen bald erschöpft sein werden.

Areva sponsert kulturelle Veranstaltungen und nimmt Einfluss auf die Schulbildung

Bereits seit 2005 sponsert Areva das Erlanger Poetenfest. Trotz vieler Proteste und der Kampagne Poesie ohne Uranstaub zur alternativen Finanzierung, hält das Erlanger Kulturreferat am Sponsor Areva fest.

Auch für die 2014 in Erlangen ausgetragenen Bayerischen Theatertage trat Areva als Sponsor auf. Ein Konzern, der weit weg in Afrika durch Uranabbau Menschen und Natur schädigt, präsentiert sich hier als großzügiger Kulturförderer und schmückt sich mit kulturellen Highlights.

Areva veranstaltet sogenannte naturwissenschaftlich-technische Fortbildungen für Grundschullehrerinnen aus der Region Erlangen. Dabei arbeitet Areva mit dem Starnberger Bildungsanbieter “Science Lab” zusammen. Die gleiche Kooperation besteht auch für Arevas Kinder-Workshops zum Thema „Elektrizität und Stromerzeugung“. Der genaue Inhalt ist uns nicht bekannt - Bildung muss jedoch frei von Konzerninteressen sein!